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Rauchverbot in NRW. Club. Kultur. Und der ganze Rest.

The Wollium mit Zigarette - Schwarz Weiß
The Wollium raucht jetzt nur noch privat. Wie hier im Bild.

In NRWs Clubs und Gastro darf seit 1. Mai nicht mehr geraucht werden. Soweit nichts Neues. Aber so langsam zeichnet sich ab, was die Folgen seien werden. — Nun kann man kaum ehrlich ermitteln ob Gäste weggeblieben sind, weil sie nicht mehr rauchen dürfen. Es sei denn man hat eine Umfrage unter den Gästen gemacht oder Besucher haben es einem persönlich mitgeteilt. Fakt ist aber, dass sich in den früheren Raucherbereichen der Clubs weniger Gäste als zuvor aufhalten. Bei uns in der Paderborner Residenz bedeutet das z.B., dass sich der Waldfloor langsamer füllt. Denn wo sich früher die Raucher gesammelt haben, an der Kaffee und Cocktailtheke, tummeln sich heute bedeutend weniger Clubgänger. Logische Folge: Weniger Besucher bemerken das Öffnen der Türen zum Wald, so dass sie direkt den Floor betreten können. Das kann einen Rattenschwanz hinter sich herziehen, muss es aber nicht.

Ich glaube übrigens, dass das Rauchverbot in NRW kaum einen Club zum aufgeben zwingen wird. Die Süddeutsche legt zum Thema dar, dass es durch das Rauchverbot (in Bayern durch einen Volksentscheid eingeführt), kaum Umsatzeinbußen gegeben hat. Jedenfalls nicht in größeren Lokalitäten. Die DEHOGA sieht das Rauchverbot negativ, bezieht sich allerdings in ihrer Studie auch auf kleinere Läden. Wo ich mir aber, abseits der monetären Gewinne und Verluste, ziemlich sicher bin, dass das Nichtrauchen im Club zu einem Kulturwandel führen wird. 

Bei Clubbesuchern erwarte ich z.B. weniger geselliges Nebeneinander von Rauchern und Nichtrauchern. Ganz einfach dadurch, dass Raucher öfter den Club verlassen werden und sich dann draußen mitunter „festquatschen“. Wenn dann noch ein Büdchen um die Ecke ist holt man sich eben da ein Getränk. Ich würde das jedenfalls so machen, wenn mich nicht irgendwas oder wer unbedingt wieder reinlockt. Durchtanzte Nächte, weil der DJ einen nicht vom Dancefloor gelassen hat? Gibt’s auf jeden Fall nicht mehr mit Zigarette. Genauso wie Feuer geben oder Zigarette schnorren, um den ersten Kontakt mit Jemand unbekannten anzubahnen.

So ein Rauchverbot hat natürlich auch positive Aspekte. Und das schreibe ich ganz ohne sarkastischen Unterton. Wer am Abend viel raucht und dazu noch (viel Alkohol) trinkt hat am nächsten Tag schneller einen Kater. Ausserdem belastet es das Portemonaie und ein attraktives nichtrauchendes Gegenüber findet einen rauchigen Atem im Zweifel auch weniger sexy. Und dann wäre da ja noch der Nichtraucherschutz der Angestellten, welche sich nicht aussuchen können wo sie arbeiten (gibt es die eigentlich wirklich?).

Es gibt also ernsthafte Gründe für so ein Rauchverbot in Clubs, Diskos und Kneipen. Ich lehne es trotzdem ab. Ich glaube daran, dass der Kneiper, der Disko- und Clubbetreiber selber am besten entscheiden kann, ob Raucher gut oder schlecht fürs Geschäft sind. Ich finde, dass Zigarettenrauch (und was sonst noch so manchmal in Clubs raucht) zum Erlebnis Club teilweise dazugehört. Natürlich werden wir auch weiterhin in Clubs tanzen und tolle Nächte haben, aber Nachtleben hat auch immer etwas mit Exzess und Grenzerfahrung zu tun. Zuviel geraucht zu haben gehört manchmal dazu. Wie Fünf Sterne so schön gereimt haben:

„Verdammt viel gesoffen und verdammt viel geraucht, aber, verdammt nochmal, das hab ich wieder gebraucht!“

Generell ist es ja erst einmal Sache des Gesetzgebers (Grüne Verbotskultur, olé — Ich erinnere als Bsp. an den Dosenpfand), wenn Der das Rauchen in der Gastro erlaubt, dann ist es eine Sache des Betreibers. Zum Schluss muss dann jeder Einzelne entscheiden was er für klüger hält, Fluppen rauchen oder eben nicht. Ich persönlich fühle mich bei solchen Entscheidungen, wie dem jetzigen Rauchverbot in NRW immer unnötig in meinem Verhalten eingeschränkt. Der Jurist würde vielleicht schreiben, dass es meine Persönlichkeitsrechte einschränkt. Aber ich finde, dass triffts erst bei einem Kaliber wie Helmut Schmidt. Für mich ist es ein Verbot das nicht nötig ist. Wir kommen mit klar, aber wir würden, nach wie vor, auch gut ohne die Verschärfung vom 1. Mai 2013 auskommen. Warum muss die Freiheit derjenigen eingeschränkt werden, die sich bewusst für den Aufenthalt in einem „Raucherladen“ entschieden haben? Die Volksgesundheit als obersten Grund lasse ich nicht gelten. Da würden mir ganz andere Verbote in den Sinn kommen…

 

 

4 comments

  1. vanray says:

    Eigentlich bleibt nur zu sagen, dass ein Nichtraucher jetzt entspannter in nen Club gehen kann den er sich ausgesucht hat ohne vollgequalmt zu werden. Ich für meinen Teil kannte keinen einzigen Nichtraucher-Club bevor es dieses Verbot gab. Also hätten Nichtraucher/Asthmatiker schön zu Hause bleiben können und ihnen wäre beinahe jeglicher Spass dieser Art verwehrt geblieben.
    So wie es jetzt ist, ist es wesentlich fairer allen gegenüber. Denn ein Mensch muss nicht Rauchen. Er muss aber immer noch atmen.

  2. admin says:

    Ich kann ja immer nur von meinem kleinen Horizont aus Sachlagen beurteilen und es mag vielleicht besonders in kleinen Städten mit nur kleinen „Einraum-Clubs“ die Situation gegeben haben, wo im ganzen Club geraucht werden durfte. Das ist bei uns in Paderborn aber schon lange nicht mehr der Fall gewesen, auch in anderen Clubs in denen ich war (letztens z.B. im Social Club Paris, da ist der Raucherbereich so klein und schlecht belüftet, dass selbst ich mit einer hohen Toleranzgrenze dort nicht lange verweilen wollte). Vielmehr ist es doch so, dass es nur einen kleinen Bereich im Club gab, wo noch geraucht werden durfte. Dort war es zugegebenermaßen für einen Asthmatiker recht unangenehm. Aber der flächenmäßig größere Teil des Clubs war schon seit langem absoluter Nichtraucherbereich. Das Gesetz hat es sogar vorgeschrieben, dass der Weg zu den Toiletten auch rauchfrei seien musste. Ich empfand das als praktikable Lösung für alle Parteien.

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