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„Du kommst hier nicht rein!“ – Warum Türsteher wichtig sind.

Die Tür des Berghain in Berlin
Der oft als „härteste Tür der Welt“ bezeichnete Eingang des Berghains in Berlin.

Ich habe in den letzten Monaten wieder häufiger Artikel über das Thema Zutritt zu Clubs und Discos gelesen. Freiburger Clubs wurde nachgesagt, dass sie generell keine Flüchtlinge/Asylbewerber mehr reinlassen würden, was übrigens so nie stimmte. In Bielefeld gab es von der Neuen Westfälischen einen „Tür-Test“ – eine Reporterin hat eine Serie darüber gemacht hat, wie schwierig es ist mit einer Gruppe Flüchtlingen in Clubs rein zu kommen. Das Thema Berghain-Tür ist ein gern gesehener Wiederkäuer der hippen Digitalmedien. Im Zeitmagazin der ersten Februar Woche hat Harald Martenstein in seiner Kolumne über die Diskriminierung und seine möglichen Absurditäten geschrieben. Weil: Generelle Diskriminierung ist verboten.

Du darfst heute nicht mitspielen. Vielleicht darfst Du auch nie mitspielen. Vielleicht ist das unbegründet, vielleicht aber auch nicht.

Das Problem ist dabei relativ schnell umrissen. Es gibt Menschen, die potentiell mehr Stress im Club machen als andere Menschen. Die will man nicht im Laden. Weder wollen die anderen Clubgäste Aggressoren neben sich, noch wollen die Clubbetreiber solche Leute in ihren Läden und DJs wollen die Idioten, die die Partystimmung mit ihrer Aggressivität killen erst recht nicht. Die will auch niemand bei sich Zuhause auf der WG-Party. Die verstehen unter Party-Exzess einfach zu oft etwas anderes als exzessives Feiern. Es gibt auch generell Leute, die nicht in den Laden oder die Party passen. Explizites Beispiel: Macho-Heten auf einer Lesben-Party.

Wenn Niemand regelnd eingreift, dann entsteht Chaos

Prinzipiell achten Selector und Türsteher auf die gewollte Homogenität der Gäste. Wie diese Homogenität dann im Endeffekt aussieht, das entscheidet die Türpolitik. Manche Läden zielen auf Publikum mit viel Geld, weil sie möglichst viel Spirituosen- und Champagnerflaschen verkaufen wollen und gestalten den Einlass entsprechend. Locker sitzendes Geld sieht man nicht allen Gästen an, aber woran sollen sie es ausmachen, wenn nicht an Verhalten und Kleidung (wenn es keine Stammgäste sind)? Wenn es die Politik des Ladens ist teure Flaschen zu verkaufen, dann wird Normalo-Geringverdienerpublikum eben an der Tür des öfteren abgelehnt. So ist das eben.

Oder wenn zu viele Männer im Laden sind, dann werden ab einem gewissen Zeitpunkt Männer an der Tür abgelehnt. Der Tendenz zur Würstchenparty wird so entgegen gesteuert, wenn der Laden ein heterogenes Publikum haben möchte. Würstchenpartys sind meist eher nicht das angepeilte Mikro-Milieu im Club, denn ein großer Männerüberschuss im Club führt leider schneller zu Aggressivität.

Ich bin seit circa 10 Jahren Club DJ. Noch nie haben sich Frauen auf den Partys geschlagen, bei denen ich aufgelegt hab. Auch andere DJs berichten mir immer nur von Männern, die Stress machen, welcher dann zu Gewalt im Club führt. Deswegen wird immer eher Männern der Zugang zu Clubs verwehrt als Frauen. Denn dieses Phänomen ist allen am Nachtleben Beteiligten bewusst.

Stress im Club? Immer männlich.

Um mal weitere Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung mit Türsteher zum Besten zu geben:

Ich wurde auch schon an der Berghain-Tür abgelehnt. Und mir war auch relativ klar warum. Ich hab einen grünen Parka getragen, der eine Mischung aus Funktionsjacke und schnödem grünen Parka ist. Wie sieht man damit aus? Wie ein Easy-Jet Tourist, oder jemand der keine Ahnung hat, was im Berghain passiert. Mein Problem war: Ich hatte nur diese eine Jacke mit und ich wollte auch nicht an der Tür pro-aktiv sagen: „Heee, ich weiß, dass in der Panne-Bar Mano le Tough spielt, den find ich ganz großartig und deswegen bin ich hier.“ Gut, vielleicht war es noch nicht mal meine Jacke, vielleicht waren zu viele Typen wie ich schon drin und ich habe nicht mehr zu der Idee der Zusammensetzung des Publikums gepasst. Mag alles sein.

Ich bin auch in Düsseldorf schon wegen Turnschuhen an einer Clubtür gescheitert. Da war es auch egal, dass die relativ neu und sauber waren. Vielleicht wurde ich auch abgelehnt, weil ich zusammen mit einem Freund rein wollte. Ich weiß es nicht.

Und wisst ihr was? Ich fand es nicht sonderlich schlimm, dass ich abgelehnt wurde. Denn so ist das. Mal kommste rein, mal nicht. Es darf übrigens auch nicht jeder auflegen im Club. Ist das diskriminierend? Soll jeder die Möglichkeit haben mal sein Lieblingsyoutube Lied am Abend anzumachen? Genau wie ich für die Gäste über die Musik entscheide, genauso entscheiden Türsteher über die Zusammensetzung des Clubpublikums. Unter veränderten Vorzeichen, klar. Aber wenn Niemand regelnd eingreift, dann entsteht Chaos.

Macho-Heten auf einer Lesbenparty. Never ever.

Dabei darf man nicht vergessen: Generelle Diskriminierung ist verboten. Und das ist wichtig im Hinterkopf zu behalten. Niemand darf in Sippenhaft genommen werden, bzw. wegen seiner Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe oder zu einem bestimmten Milieu von vornherein an der Club-Tür scheitern. Also im Generellen. Macho-Heten wird natürlich trotzdem nie der Einlass auf einer Lesben-Party gewährt werden. Leute, die mehrfach an der gleichen Tür scheitern sollten sich im allerdings fragen warum sie das tun.

Mir braucht übrigens Niemand mit der Ausländer/Hautfarben-Keule kommen. Von wegen man käme nicht rein, weil man Ausländer ist oder eine andere Hautfarbe hat. In den Clubs in denen ich auflege brauch man sich nur die Partyphotos angucken und erkennt sofort: Die Läden haben ein heterogenes Publikum. Ich hätte auch gar keinen Bock in einem Laden aufzulegen, der eine ausländerfeindliche Türpolitik hat. Logisch oder?

Und wenn Leute wirklich in den Club wollen aber immer wieder an der Tür scheitern, dann müssen sie sich vielleicht besser anpassen, bzw. sich in ihrem Auftreten üben. Andere Klamotten, andere Begleitung, andere Begrüßung der Türsteher, andere Anreise zum Club. Ein Freund von mir ist zum Beispiel an einem Abend drei Mal zum Umziehen nach Hause gefahren, um dann erst in den Club gelassen zu werden. Türsteher können manchmal erbarmungslos sein. Aber Türsteher sind und bleiben wichtig. Sie sind die letzte Instanz, die über die Zusammensetzung der Gäste einer Disko oder eines Clubs am Abend entscheidet.

Wenn sich jetzt einer denkt: „Aber warum sollte ich mich anpassen, warum nehmen die mich nicht so wie ich bin. Ich bin doch ich, ich möchte mich nicht verstellen.“ Die harte Wirklichkeit ist: that’s life. – Das ist nicht nur im Nachtleben so. Auch im Alltagsleben muss man sich manchmal anpassen, wenn man dazu gehören möchte. Und Menschen, die immer wieder an einer Clubtür scheitern, wollen offenbar dazu gehören, also sollten sie auch etwas dafür tun.

One comment

  1. Danke für den informativen Beitrag zum Thema Sicherheitsdienst. Mein bester Kumpel plant öfter Großveranstaltungen und ist deshalb immer stark auf Sicherheit bedacht. Gut zu wissen, dass bei Ablehnung durch Türsteher, andere Klamotten, eine andere Begleitung und eine andere Begrüßung der Türsteher womöglich zum Einlass führen.

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