Home » Einfach mal den Abend Revue passieren lassen. Oder: Wie ich dann doch ganz schön viel über Black Music geschrieben habe.

Einfach mal den Abend Revue passieren lassen. Oder: Wie ich dann doch ganz schön viel über Black Music geschrieben habe.

Ein Bild vom Resi-Tanzflur
Keine Jubelszene, dafür 100% real.

Hach Resi, das war doch gestern mal wieder n schöner Abend!

Wir haben ein schönes Warmup gespielt, mit langsamen House und Nu-Disco Nummern, die Tanzfläche füllte sich, wir wurden etwas poppiger und der Abend nahm seinen lauf. Bis er gegen 5.30 Uhr vorbei war. Keine “epic night to remember”, kein “Paderborn ihr wart der Wahnsinn”, wart ihr nämlich nicht. Aber ihr wart ein schönes Publikum. Ihr hattet euren Spaß, vermute ich mal, sonst wäret ihr nicht so lang geblieben. Wir hatten unseren Spaß. So kann das weitergehen.

Das muss man auch ab und an einfach mal sagen, aber es wäre natürlich ein bisschen mau, wenn ich nur den vorangegangen Absatz schreiben würde und Euch dann einen schönen Tag wünsche.

Da gab es nämlich doch ein paar Storys, die ich für erwähnenswert und thematisierungswürdig halte.

Fangen wir an mit einer Begebenheit, die ich schon so auf Facebook gepostet habe. Deshalb packe ich da mal die wichtigen Zeilen in ein Zitat.

…der Typ, der sich Black Music gewünscht hat als Pharrells Frontin’ im Disclosure Rework lief. Ich meine, er hätte doch auch einfach fragen können: »Kannst Du so langsame Bumsmusik spielen, wo immer Bitch, Dick und Cunt gerappt wird? Da tanzen alle zu, das hat sich auch mein Freund gewünscht, der Geburtstag hat.«

Ich meine klar, der Disclosure Rework lief auf 117BPM oder so. Aber Pharrell & Jay-Z am rappen, viel “blackiger” kann’s da für mich fast gar nicht werden.

Gab 9 Likes, bei einer Reichweite von knapp unter 300 Leuten. Ein passabler Post. Inhaltlich ist ja im Grunde klar was ich da mache, ich mache mich lustig über Leute, die es nicht abwarten können, bis die Musik in ein anderes Genre wechselt und deshalb zum DJ kommen und sich das wünschen. Hier war es eben ein Black Music Wünscher. Die Wünscher möchten aber meistens gar keine Black Music im generellen, sondern ihre Definition von Black Music hören. Die würden sich wahrscheinlich wundern, was alles so unter Black Music läuft, wenn sie sich mal den Eintrag über Black Music bei Wikipedia angucken würden.

Worüber reden wir überhaupt, wenn wir “Black Music” sagen?

Dass ich Musikwünsche ok finde, habe ich schon mal in einem Videoblog zum Ausdruck gebracht. Meiner Wahrnehmung nach ist es aber trotzdem so, wie ihr das in dem Zitat oben nachlesen könnt. Viel aktuelle sog. Black Music kommt nicht ohne Wörter wie Bitch, Cunt und Co aus. Das ist ja nun im generellen bei Rap auch nix neues.

iTunes Charts Hip Hop / Rap Februar 2015
Die iTunes TOP 10 im Bereich Hip Hop / Rap im Februar 2015

Die Vokabeln sind verbreitet, das ist bekannt. Das kam irgendwann, hat sich etabliert ist immer noch aktuell und wird auch in Zukunft wohl so bleiben. Ein Blick in die aktuellen Rap/Hip Hop Charts auf iTunes reicht, um das nachvollziehen zu können. Gut heißen und finden oder unüberlegt auflegen muss ich das dann aber trotzdem noch lange nicht. Aber das ist es, was oft gewünscht wird. Ich würde jetzt gerne auf eine Kolumne von mir verweisen, handelt über Tygas Song Rack City, kann ich aber nicht, weil unveröffentlicht.

Schade finde ich es natürlich, wenn Leute sich über meinen Facebook Post aufregen und auf kommentieren, dass sie gerne einen Shitstorm lostreten würden, aber es aus Respekt dann doch nicht tun. Und ihren Kommentar dann direkt löschen, nachdem ich ihn mit “gefällt mir” markiert habe. Denn, ob es dann ein Shitstorm bei weniger Respekt mir gegenüber gegeben hätte oder nicht: Ich finde eine Diskussion über das Thema kann man führen. Sollte man vielleicht sogar. Es ist und bleibt ein vielschichtiges und interessantes Gebiet, was ich hier auch gar nicht so nebenbei in diesem Blogpost abhandeln möchte, dafür ist es auch zu wichtig.

Stand for something. Kritik ist legitim und gut.

Weiter im Text. Wo wir gerade bei gelöschten Facebook-Posts sind. Ihr könnt das vielleicht nachvollziehen, ich beschäftige mich recht intensiv mit Social Media und Sachen die da so abgehen. Deshalb gucke ich natürlich auch nach Abenden an denen ich aufgelegt habe ob es irgendwo Feedback im Netz gibt. Gibt es (positiv, wie negativ) übrigens viel zu selten. Auf der Facebookseite der Resi habe ich einen Eintrag gefunden, die Party betreffend. Er wurde nachts gepostet, ich schätze mal so im Zeitraum von 4 bis 5 Uhr, von einer Frau. Ich nenne sie mal, um es greifbarer für Euch zu machen Teffi. Teffi hat an auf die Facebook Wall der Resi sinngemäß geschrieben:

Ist das Absicht, dass Ihr ab 4 Uhr noch noch schlechte Musik spielt, damit die Leute gehen?

Ich habe Teffi dann geantwortet, also als The Wollium. Aus der Erinnerung heraus habe ich folgendes geschrieben (+ meine Playlist aus dem Zeitraum 4-5 Uhr gepostet):

Hallo Teffi, hier einer der DJs von gestern. Über Musik lässt sich ja immer gut streiten, unterhalten wir uns darüber. Zur Veranschaulichung für alle Mitleser habe ich meine Playlist von 4 bis 5 Uhr hier gepostet, damit wir wissen worüber wir reden. Welche Tracks fandest Du schlecht und was hättest Du stattdessen gerne gehört?

Traktor Playlist von 3:55 bis  nach 5 Uhr an einem Samstag im Resi
Meine Playlist von 3:55 bis nach 5 Uhr morgens am 22.2.2015 im Resi

Leider hat Teffi ihren Post, kurz nach dem ich ihn kommentiert habe, wieder gelöscht. Ich gehe mal davon aus, dass sie es selber war. Theoretisch könnte es auch jemand gewesen sein, der Admin-Rechte bei der Resi-Facebook Seite hat gelöscht haben. Das wird allerdings eher nicht der Fall gewesen sein, zumal der Post von Teffi nicht kritisch (im Sinne von keine Volksverhetzung oder so) war. Ich hätte mich gerne mit Ihr darüber ausgetauscht, warum sie die Musik doof fand und was sie stattdessen gerne gehört hätte.

Echt, sowas finde ich immer schade. Sie hat Meinung bezogen, dann sollte Sie auch dazu stehen. Wäre ja nix dabei gewesen, wenn Sie geschrieben hätte, dass sie dieses und jenes lieber gehört hätte.

Resi-Dancefloor
Ein weiterer Tanzflur-Eindruck aus der DJ POV Perspektive

Es sind ja oft die Kleinigkeiten, die einen aufregen. “Gut” waren z.B. wieder die Mädels in ihren kurzen Lederröcken und engen Tops, die sich quasi nur bei “Black Music” (Oh, schon wieder dieses Thema) bewegen. Aber die tanzen natürlich auch nicht zu jeglicher “Black Music”. Spielt man SSIO, DCVDNS oder Hafti, dann stehen die einfach weiter rum. Für meinen Teil gehören die Künstler auch ins Universum des diffusen Begriffs “Black Music”. Spielt man das Selbe in Grün auf Englisch, dann fangen sie an aufzudrehen. Warum das so ist? Ich habe keinen Plan. Eigentlich sollte man doch meinen, dass sie sich freuen und goutieren, wenn sie die Texte einfacher verstehen. Nö, tun sie nicht.

Super fand ich auch das Mädel, dass sich in die DJ Kanzel gedrängt hat und mich ein wenig angetanzt hat während ich aufgelegt habe. Nur um mir dann ins Ohr zu hauchen: “Kannste jetzt Black spielen?” Ich dachte mir stellte fest: “Wie billig bist Du denn?!” Naja, so sind Manche.

Was ich momentan persönlich ganz cool finde bei der ganzen Club/Disco Auflegerei: Man kommt wieder ohne dieses ganze stumpfe EDM Geballere aus. Soweit ich mich erinnere (hehe, ich habe ja in die Playlist geguckt), habe ich zwei EDM Tracks gespielt. Die aktuelle Martin Solveig und noch eine. Ansonsten habe ich was Uptempo Nummern angeht nur House gespielt, also was man da so drunter subsumieren kann. Vieles würde man wohl Future House nennen, was für DJs wie meinen Kumpel Booming B. wahrscheinlich trotzdem gar kein House wäre.

Man man man, eigentlich wollte ich nur ein kurzes Recap schreiben, weil ich, wie ich finde, zwei ganz passable Bilder aus der DJ Booth heraus geschossen habe. Jetzt habe ich überraschenderweise ganz schön lange über das Thema “Black Music” geschrieben. Und komme vielleicht sogar so rüber als wenn ich das nebulöse Genre abwerten wollte. Will ich gar nicht. Ich spiele ja selber gerne Hip Hop / Rap, auch wenn ich das technisch nicht sooo gut kann. Aber ich hätte Lust das Thema mit all seinen positiven und negativen Aspekten (und mit seinem Mangel an Definition) mal genauer zu behandeln. So kann’s kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.