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„Why they are just dancing to this kind of music?“ — „It’s the radio, stupid.“

Video killed the Radio Star? Nun, Radio überlebte — Musikfernsehen irgendwie nicht. Und so kommt es, dass vor allem das Radio den Musikgeschmack der Massen diktiert. Ich knüpfe da direkt mal an einen unglaublich guten Spiegel Online Artikel von Hannah Pilarczyk an, der hinter die Idee des aktuell so verbreiteten Maximal-Pop (und Dance, da verschwimmen die Genregrenzen) blickt.

Natürlich spielen 1Live & Co. tagsüber solche Maximal-Pop Nummern, eben wegen ihrer Machart. Sie sind (am besten über die gesamte 3:30 Dauer) catchy. alles was catchy ist, lässt die Hörer dranbleiben. Wer dran bleibt, hört die geschaltete Werbung und steigert die Einschaltquote, nach der Werbepreise berechnet werden. Nach der Werbung beginnt das ganze von …vorne, genau.

Damit hätte man als ClubDJ eigentlich kein Problem. Wenn die Gäste begreifen würden, dass eine Clubnacht nunmal nicht eine andauernde 1Live Chartsparty ist. Wir spielen Clubmusik, die ist im Zweifel weniger aus Funk und Fernsehen (z.B. weil zu lang oder zu neu) bekannt, taugt aber mehr zum feiern als Songs aus dem 3:30Min Universum. Und so lange sich ein Tanzschuppen Club und bewusst nicht Diskothek nennt,  sollte man auch mit Musik die für Clubs gemacht wurde, rechnen. Und eben nicht mit [Hier tagesaktuellen Radiohit einsetzen] im Stundenrhythmus.

Hier  fängt mein Problem an. Ich möchte Gästen nicht andauernd sagen müssen: „Das hier ist ein Club, wir spielen Clubmusik. Wir spielen vielleicht auch dein Lieblingsradiolied, aber 1. nicht sofort, nur weil Du das willst und 2. vielleicht auch gar nicht.“ Denn die Sache ist doch die, wenn ich z.B. Soul Central – Strings of Life spiele, ist das an sich gar nicht so weit von klassischer Popmusik entfernt, eigentlich nur repetetiver und fokussierter auf die Tanzfläche. Doch ich habe manchmal das Gefühl, dass der Paderborner am liebsten zu Liedern tanzt, die er schon kennt. Da unterscheidet er sich z.B. deutlich von mir. Wenn ich privat aus- und tanzen gehe, dann möchte ich am liebsten den ganzen Abend (gute) Tracks hören die ich nicht kenne. Denn ich habe immer Lust auf neues, auf unbekanntes.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in Paderborn wohne, daran, dass es neben dem Club in dem ich Resident bin nur noch eine andere größere Tanzbude gibt und die meisten, die im Nachtleben unterwegs sind, es nicht anders kennen. Sie haben vielleicht nie über den Tellerrand geblickt, sind nie morgens um 10 aus einem Club gekommen und haben sich gedacht: „Ich habe keine Ahnnung, was die DJs da gespielt haben, aber man hat das Bock gemacht zu tanzen!“

Niemand kann mir erzählen, dass er nur einen guten Abend haben kann mit Musik die er kennt. Mehr als Tanzlust und gute DJs braucht es eigentlich gar nicht für einen duftes Erlebnis im Club seiner Wahl. Denn clubben macht Spaß. Auch ohne Radiohits, man muss sich nur darauf einlassen.

3 comments

  1. Nerdtology says:

    Das gleiche Problem habe ich hier auch in Göttingen. Selbst bei den Indie Partys auf denen, ich auflege wollen sie nur die „Hits“ hören, was ich inzwischen sehr befremdlich finde. Allerdings sehe ich nicht ein, die Hit Jukebox zu machen. Außerdem ist es, wie bei dir mein persönlicher Anspruch, dass ich selber neue Musik entdecke und auflegen möchte.
    Leider habe ich das Gefühl, dass viele Leute nicht mehr Wert darauf legen, was vor 3-4 Jahren noch anders war.

  2. HeffaDerLump says:

    SIGNED.
    Ich hab’s auch lieber, wenn ich keinen Song kenne. Erstens, das verhindert schonmal, dass ich totgehörte Tracks hören muss. Zweitens, wie du schon sagtest, ich hab immer Bock auf neue Musik. Drittens, ich kann überrascht werden. Wenn ich nen Track von vorne bis hinten höre, weiß ich was kommt. Kenne ich den Track nicht, kann mich ein Drop, ein Sample, was weiß ich, total überraschen. Ich liebe es, mich mit den DJs auszutauschen, zu fragen, wie er den Track gefunden hat. Ich wünschte, dass würde jeder so machen. Aber ich glaube, dass kommt auch ganz auf die Clubs/ die Szene an. In nem 0815-Schuppen, in dem Guetta, Radio-Hits, Skrillex, etc. läuft, erwarten die Leute halt nichts anderes, und wollen auch nichts anderes. Gehst du in nen Club, in dem speziell Techno, Minimal, etc. läuft, freuen sich die Leute über neue Tracks.
    Du musst halt auch auf das Klientel achten. Du kannst nicht erwarten, dass jeder Idiot, der sonst nur total triviale Radio-Musik hört, auf einmal will, dass du ihn mit total unbekannten, Underground-Tracks überrascht. Vielleicht solltest du dir Gedanken machen, in welchen Clubs du auflegst, bevor du dich über die Leute dort aufregst?

  3. admin says:

    Absolut treffender Punkt. Nun lege ich in den Läden in denen ich auflege nicht durch Zufall auf, sondern weil ich schon da spielen möchte. Mir geht’s, und ich hoffe das ist in dem Artikel klar geworden, darum, dass ich dass Gefühl habe, die Aufgeschlossenheit gegenüber neuem lässt momentan nach und es nimmt der Wunsch nach bereits (aus dem Radio) bekannter Musik zu.
    Wer, wenn nicht die ClubDJs, sollten denn in der Lage sein dieser Tendenz etwas entgegen zu setzen?

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